Heute haben wir mal ein Thema mit Bezug zum Jahreswechsel: Die axilläre Plexusblockade! Dabei handelt es sich um eine recht simple „Brot und Butter“ Technik, geeignet für Operationen bzw. Analgesie distal der Oberarmmitte. Man deckt also typische Dienstfälle super ab (Verletzungen der Hand, Feuerwerkskörper, Avocadoschneiden, Glasscherben, Unterarmfrakturen uvm.). Also eigentlich ein Block den jeder Anästhesist können sollte – zusammen mit dem Femoralisblock und der Spinalanästhesie kann man damit den überwiegenden Teil der OPs im Dienst auch ohne Vollnarkose abdecken! Sie ist eine sicherere Alternative zum supraclaviculären Block (Link), da die Lungenfunktion nicht beeinträchtigt wird. Die Injektion um die Arterie / Vene birgt insbesondere bei der Nadelführung ein sehr hohes Risiko für eine Lokalanästhetikaintoxikation (LAST) und Hämatombildung. Aus diesem Grund ist der AxPlex nur dem Anästhesisten vorbehalten, welcher eine exzellente ultraschallgezielte Nadelführung beherrscht.
Worum geht es?
Mit der axillären Plexusblockade decken wir die terminalen Äste des Plexus brachialis ab, also vorwiegend die Nn. medianus, ulnaris und radialis. Außerdem blockieren wir den N. musculocutaneus für die Abdeckung eines Teils der Haut am Unterarm. Weiters erfasst werden der N. cutaneus brachii medialis und N. cutaneus antebrachii medialis. Damit sind Operationen ab der unteren Hälfte des Oberarmes möglich.

Durchführung der Nervenblockade
Unten im Bild seht ihr eine Reinfolge, wie man die Nerven ansteuern sollte. Dabei ist (allgemein) wichtig, dass man unten liegende Strukturen immer zuerst einspritzt. Macht man es andersrum, verdirbt man sich die Schallqualität. Bei einem Bild wie in der Zeichnung daher zuerst den N. radialis mit ca 5 ml Lokalanästhetikum betäuben, dann die darüber liegenden Nerven (je nachdem wie sie konkret liegen – die Zeichnung ist beispielhaft). Den N. musculocutaneus mache ich immer zum Schluss, hier reichen 2-4 ml. Damit kommt man in der Regel auch mit einer 20 ml Spitze aus, man kann natürlich auch mehr verwenden – notwendig ist das in der Regel aber nicht! Sollten die Nerven nicht eindeutig darstellbar sein empfiehlt NYSORA die Injektion von 8 ml LA unterhalb und 8 ml LA oberhalb der A. axillaris; 4 ml werden separat zum M. musculocutaneus verabreicht
Wahl des Lokalanästhetikums
Es gibt eine große Auswahl an möglichen Substanzen und in jedem Haus gibt es andere Standards. Ich möchte unsere Abteilung zitieren:
- kurzwirksam – Blockade für die OP (postoperative keine starken Schmerzen zu erwarten): Mepivacain 1%, 1,5% oder 2% (Wirkeintritt ca 15 Minuten [mit NaBic verschnellerbar], Dauer ca. 4 Stunden)
- langwirksam – für OP und darüber hinaus: Ropivacain 0,5% (Wirkeintritt bis zu 30 Minuten, Dauer 8 bis 12 Stunden oder länger)

Wie bei allen Nervenblockaden gilt auch hier, dass man die Nerven niemals mit der Nadel berühren sollte. Dadurch kommt es nämlich zu direkten Verletzungen des Nervs und entsprechend zu den bekannten Komplikationen wie z.B. anhaltenden Parästhesien. Die Nerven verlaufen zusammen mit den Gefäßen zwischen den Muskelfaszien. Es reicht daher, nahe dem Nerv in der Faszie (und nicht intramuskulär) ein Depot zu setzen. Im Bild sieht man dann sehr schön, wie der Nerv im Lokalanästhetikum „schwimmt“.
Videoempfehlungen
Unsere Empfehlungen auf Youtube:
Achtung: Es gibt ganz viele Videos und oft widersprechen sich die gegenseitig. Daher bitte einerseits auf unsere lokalen Leitlinien schauen (z.B. haben sie in den USA teilweise höhere Maximaldosen bei den Lokalanästhetika) und andererseits auf die klinikinternen Standards.
Cheers!
Aus unserer Rubrik: Sollen Notärzte prähospital Regionalanästhesie durchführen? Klick den Link.
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